Es war zur Stunde des Offertoriums während der heiligen Messe, als der Priester den Kelch mit dem kostbarsten Blut unseres Herrn Jesus Christus emporhob. Der Weihrauch stieg in leisen Spiralen empor, und ein ehrfürchtiges Schweigen erfüllte das Gotteshaus.
In diesem heiligen Augenblick wurde Bruder Konrad —ein Mönch, bekannt für sein Gebet, seine Buße und sein stilles Leben vor Gott— in eine innere Schau entrückt, als hätte der Herr selbst den Schleier zwischen Himmel und Erde gelüftet.
Er sah ein dunkles Tal, in dem Tausende von Seelen sich in einem Feuer verzehrten. Doch es war kein Feuer der Verdammnis, sondern der Läuterung. Es brannte nicht zur Strafe, sondern zur Reinigung. Die Seelen waren durstig nach Gott, voller Sehnsucht nach dem ewigen Licht.
Eine von ihnen, mit bittendem Antlitz und flehender Stimme, sprach zu ihm:
„Durch das Opfer des Leibes und Blutes Christi könnt ihr uns helfen… wir flehen euch an!“
Und plötzlich riefen alle Seelen wie mit einer einzigen Stimme:
„Betet für uns! Betet für uns! Betet für uns!“
Da bebte das Tal. Das Feuer wurde heller, aber nicht schmerzhaft. Viele Seelen begannen aufzusteigen, eingehüllt in ein goldenes Licht, das wie der Glanz der Auferstehung wirkte. Vom nahen Berg ertönte ein Brausen, als hätte der Himmel selbst seine Tore geöffnet, und eine himmlische Melodie drang leise in das Herz des Mönchs.
Bruder Konrad erkannte, mit heiliger Ehrfurcht, dass er das wahre Wirken der Eucharistie an den Seelen im Fegefeuer schauen durfte.
Noch in derselben Nacht schrieb er unter Tränen in sein Manuskript:
Das Opfer des Altares ist der Trost der Verstorbenen. Betet für sie, denn sie rufen zur Kirche wie Kinder, die darauf warten, vom Vater umarmt zu werden.“

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