Der heilige Petrus Damiani berichtet ein wunderbares Ereignis, das die unermessliche Barmherzigkeit der Mutter Gottes gegenüber den Seelen im Fegefeuer zeigt. Eine Frau namens Marozia erschien nach ihrem Tod einer Freundin und offenbarte ihr, dass sie am Tag der Aufnahme Mariens in den Himmel aus dem Fegefeuer befreit worden sei. Doch nicht nur sie allein: Die allerseligste Jungfrau hatte an diesem Tag so viele Seelen erlöst, dass ihre Zahl die Bevölkerung der Stadt Rom überstieg.
Dieses Ereignis ist kein Einzelfall. Der heilige Dionysius der Kartäuser, ein großer Mystiker und Theologe, bestätigt, dass die Jungfrau Maria zu bestimmten liturgischen Hochfesten – insbesondere zu Weihnachten und zur Auferstehung ihres göttlichen Sohnes – ins Fegefeuer hinabsteigt. Begleitet von einer Schar Engel, besucht sie diesen Ort des Leidens, tröstet die Seelen mit ihrer mütterlichen Zärtlichkeit und befreit – mit göttlicher Erlaubnis – viele von ihren Schmerzen.
Der Theologe Novarino geht noch weiter und ist überzeugt – gestützt auf die überlieferte Frömmigkeit der Kirche –, dass Maria an jedem hohen Festtag, der ihr gewidmet ist, das Fegefeuer besucht. So sind Feste wie die Unbefleckte Empfängnis, die Verkündigung, Mariä Darstellung, der heilige Name Mariens oder auch das Rosenkranzfest besondere Gelegenheiten, an denen sie auf eine außergewöhnliche Weise für die leidenden Seelen eintritt.
Dies zeigt uns, dass Maria ihre Kinder nicht nach dem Tod vergisst, sondern weiterhin ihr Amt als Mutter der Barmherzigkeit ausübt. Ihre Liebe kennt keine Grenzen: Sie erreicht den reuigen Sünder im Leben und die leidende Seele im Jenseits.
Deshalb haben die Heiligen stets eine tiefe Marienverehrung empfohlen – nicht nur für unser Heil in diesem Leben, sondern auch für das, was uns nach dem Tod erwartet. Das Rosenkranzgebet, die vollständige Weihe an Maria (wie sie der heilige Ludwig Maria Grignion von Montfort lehrte), Marienmessen und gute Werke für die Armen Seelen sind Akte der Liebe, die ewige Gnaden nach sich ziehen.
Und wenn unsere Stunde kommt – wenn wir treue Marienverehrer waren –: Wird sie nicht auch zu uns kommen, wenn das Feuer der Läuterung uns genügend gereinigt hat?


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