Von den Wundern und der Demut des heiligen Konstantius

 


"Aus dem Munde eines Amtsbruders habe ich vernommen, was ich erzählen will. Viele Jahre lebte derselbe in der Stadt Ankona als Mönch und führte daselbst ein sehr religiöses Leben. Einige der Uns'rigen, die schon vorgerückteren Alters und aus derselben Gegend sind, geben ihm dasselbe Zeugnis. In der Nähe jener Stadt war nämlich eine Kirche des hl. Stephanus, wo Konstantius, ein heiligmäßiger Mann, das Amt eines Meßners vertrat. Der Ruf seiner Heiligkeit war weit und breit bei den Menschen bekannt. Dieser Mann verachtete nämlich das Irdische gründlich und mit der ganzen Kraft seiner Seele trachtete er einzig nach dem Himmlischen. Eines Tages aber fehlte es in dieser Kirche an Öl, und der genannte Diener Gottes hatte nichts, womit er die Lampen unterhalten konnte. Er füllte aber alle Lampen in der Kirche mit Wasser, setzte, wie gewöhnlich, den Docht in die Mitte, machte Feuer, zündete an und es brannte das Wasser in den Lampen, wie wenn es Öl gewesen wäre. Bedenke daher, o Petrus, welches Verdienst jener Mann besaß, der in der Not auch das Element zu ändern im Stande war. Petrus: Sehr wunderbar ist, was ich höre; allein ich möchte auch wissen, wie demütig der bei sich im Inneren war, der nach außen hin also glänzte. Gregor: Mit Recht fragst du bei solchen Wunderwerken nach der Gesinnung: denn die äußerlich gewirkten Wunder pflegen innerlich durch ihren Kitzel gar sehr den Geist zu beeinflussen. Allein, wenn du von diesem ehrwürdigen Konstantius nur eines hörst, das er getan hat, so wirst du gleich seine große Demut erkennen. Petrus: Nachdem du mir ein solches Wunder erzählt hast, das er gewirkt, so erübriget nur, dass du mich auch durch die Demut seines Geistes erbaust."

Comments