Predigttext: Deuteronomium 6
Liebe Brüder und Schwestern im Herrn,
Menschen neigen dazu, aus den Sitten Schlüsse zu ziehen. Niemand möchte, dass seine eigene Religion wegen seiner eigenen Schandtaten in Verruf gerät. Doch wenn es um die Verunglimpfung anderer geht, scheint ihnen jedes beliebige Argument ausreichend zu sein. Viele halten es gar für ein sicheres Zeichen, dass eine Religion falsch sei, wenn sie im Verborgenen gelehrt wird. Und das ist nicht ganz unvernünftig.
Denn Diebstahl, Ehebruch und viele andere Verbrechen geschehen meist im Geheimen. Ist es da verwunderlich, wenn auch eine Lehre, die im Verborgenen verbreitet wird, verdächtig erscheint? Doch so ein Argument kann nur zeitweise Gültigkeit haben – nicht immer.
Denn wenn der Staat die wahre Religion unterstützt, dann ist es in der Tat ein schlechtes Zeichen, wenn jemand im Verborgenen und im Dunkeln lehrt – denn was der Wahrheit dient, braucht das Licht nicht zu scheuen. Aber wenn der Staat ein Feind der Wahrheit ist, dann ist es nicht verwunderlich, wenn die Verkündigung heimlich und wie ein Diebstahl geschieht.
Hat man früher etwa heimlich dem Jupiter, dem Saturn oder der Juno geopfert? Nein, ihre Opferhandlungen wurden öffentlich vollzogen – es sei denn, es war die Religion selbst, die Heimlichkeit forderte. Und was ist mit den Türken? Lehren sie heute nicht öffentlich ihre Irrtümer? Aber heißt das, dass ihre Lehre deswegen wahr ist?
Was aber war mit den ersten Christen unter der Verlgung grausamer Tyrannen? Haben sie nicht oft bei Nacht und im Verborgenen gebetet und die Schrift gelesen? Sollte man darum ihre Religion verdammen?
Darum, Brüder und Schwestern, muss das Volk oft ermahnt werden – besonders bevor das Licht der Wahrheit verschwindet – dass niemand glauben soll, er könne durch seine eigenen Gedanken oder durch seine eigene Vernunft richtig über Wahrheit und Irrtum urteilen. Es gibt nur einen Maßstab zur Unterscheidung: das Wort Gottes, die in der Heiligen Schrift enthaltenen Orakel. Diese allein ist unser Prüfstein, unser Lydischer Stein, um Gold von Erz zu unterscheiden. Es gibt keinen anderen wahren Maßstab.
Deshalb: Haltet das Gebot aus 5. Mose 6 in euren Herzen. Lehrt es euren Kindern. Redet davon in euren Häusern, unterwegs, wenn ihr euch schlafen legt und wenn ihr aufsteht. Denn nur durch das Wort Gottes erkennen wir, was wahr ist und was falsch.
Amen

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