Voller Furcht beschlossen sie, ihn außerhalb des Kirchhofs zu bestatten

 

Im Jahre des Herrn 1124 lebte in der sächsischen Stadt Hartham ein Anwalt namens Oswin von Breck. Er war bekannt für seinen Scharfsinn und seine schnelle Zunge, doch ebenso für die Verderbtheit, mit der er böse Männer verteidigte und dadurch sein Haus bereicherte, während Unschuldige verurteilt wurden.

Als ihn der Tod an einem Wintermorgen ereilte, fand ihn seine Familie in seinem großen Eichensessel in der Haupthalle seines Hauses. Der Anblick war entsetzlich: Oswin hatte die Augen geöffnet und den Mund weit aufgerissen, doch in ihm war keine Zunge. Der herbeigerufene Arzt stellte fest, dass es weder Schnitt noch Wunde gab – als sei dieses Körperteil einfach von selbst verschwunden.

Der Priester der Pfarrei befahl, den Leichnam in die Kirche des heiligen Guthlac zu bringen, um ihm ein christliches Begräbnis zu bereiten. Doch als die Mönche versuchten, ihn durch das Portal zu tragen, schlug dieses mit solcher Gewalt zu, dass niemand es öffnen konnte. Während einige zu Gott flehten, behaupteten andere, hinter dem Leichnam habe sich ein Schatten aufgerichtet, als wolle er die Versammelten verhöhnen.

Voller Furcht beschlossen sie, ihn außerhalb des Kirchhofs zu bestatten, neben einer alten, umgestürzten Eiche am Rande des Dorfes. Seit jener Nacht erzählen die Bewohner von Hartham, dass man an stürmischen Abenden, wenn man an diesem Baum vorbeigeht, ein trockenes Murmeln höre – wie das Knirschen von Zähnen, die versuchen, Worte ohne Zunge zu formen. Und die Alten warnen die Jungen: Niemand soll sich nach dem Läuten der Totenglocke dort aufhalten, denn viele, die es taten, erwachten am nächsten Morgen stumm, unfähig, auch nur ein einziges Wort hervorzubr

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