Ein böser Geist suchte die Diözese Hildesheim über lange Zeit heim und versetzte die Bevölkerung in Angst und Schrecken

Ein böser Geist suchte die Diözese Hildesheim über lange Zeit heim und versetzte die Bevölkerung in Angst und Schrecken. Er trat stets in einer groben, bäuerlichen Gestalt auf, den Kopf stets unter einer tief ins Gesicht gezogenen Mütze verborgen, weshalb ihn das einfache Landvolk ehrfürchtig und mit Argwohn Pileatus (dAer Mützenträger) oder in sächsischer Zunge Hedeckin nannte. Dieser Geist, auch Hutgin genannt, trieb sein Unwesen mit einer Mischung aus Schalk und Bosheit. Er vollbrachte mancherlei Wunder und suchte die Nähe der Menschen, um sie in Gespräche zu verwickeln – er fragte aus, antwortete vertraut und gab sich als wohlwollend aus, doch hinter dieser Maske verbarg sich eine grausame Natur. Er war ebenso oft unsichtbar wie sichtbar, und wehe dem, der es wagte, ihn zu verspotten oder zu kränken; seine Rache war unerbittlich und schlug ohne Vorwarnung zu.

Sein Treiben erreichte den Höhepunkt der Gottlosigkeit, als er versuchte, eine heilige Vermählung zu verhindern und das Paar ins Verderben zu stürzen. Doch der Bischof, ein Mann von tiefem Glauben, erkannte die finstere Macht, die hinter den Taten des Hutgin steckte. Um dieses Übel mit der Wurzel auszureißen, befahl der Prälat der gesamten Diözese ein strenges Bußgebet. Tag und Nacht sollten die Gläubigen inbrünstig beten, insbesondere an den Freitagen, den Tagen des Leidens Christi, um die dämonische Präsenz zu brechen.

Die Wirkung dieser geistlichen Waffen war gewaltig. Als das Volk gemeinsam seine Gebete zum Himmel sandte, zitterten die Grundfesten der Erde. Der Geist, dessen Macht nun schwand, konnte dem göttlichen Druck nicht länger standhalten. In aller Augen begann sich das Wesen zu verzerren; es hüllte sich in eine grauenhafte, schattenhafte Gestalt, die das Licht der Welt nicht ertragen konnte. Mit einem markerschütternden Schrei fuhr er in ein plötzlich aufgerissenes, tiefes Loch im Boden, das sich wie ein Schlund auftat und ihn direkt in die ewige Finsternis der Hölle verschlang. Von jenem Tag an war die Diözese von der Plage des Hedeckin befreit.


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